Villa Waddell in Fiesole

Theodore Waddell kommt Mitte der 60er Jahre nach Italien, wo er an der Uni von Florenz 1968 in Architektur promoviert.
Einige Jahre lang arbeitet er als Architekt und Designer in Italien, wobei er mit namhaften Einrichtungsfirmen kooperiert.
In jenen Jahren lässt er ein Bauwerk entstehen, das wahrscheinlich sein wichtigstes, architektonisches Werk wird, und das ihm einen Platz unter den Stars der weltweiten Architekten reservieren soll. Es handelt sich um sein eigenes Haus, inmitten der grünen Hügel um Fiesole.

villa waddell in fiesole
Ansicht des ersten Wohnzimmers von Villa Waddell in Fiesole

Dann aber, scheinbar grundlos, beschließt dieser geniale Architekt, dessen Design-Objekte, vor allem Lampen, in der ständigen Sammlung des MoMA in New York aufgenommen wurden, nach der Fertigstellung seiner unglaublichen Villa, in die Vereinigten Staten zurückzukehren, wo er den Rest seines Lebens an der Uni lehrt und seine Arbeit als Designer fortsetzt, aber nie wieder als Architekt arbeitet.
Die Zeit, in der der Bau seiner Villa entstanden ist, fällt in die Zeit der organischen Architektur, eine Bewegung, bei der die Harmonie zwischen der Natur und vom Menschen geschaffenem Bauwerk im Mittelpunkt steht.
Frank LLoyd Wright hat unter anderen diese Bauidee bestimmt und das Haus Fallingwater und weitere beachtliche Werke geschaffen, die sich in unter der Kategorie organische Architektur einordnen lassen.
In Italien experimentieren Giovanni Michelucci, Riccardo Ricci und andere dieses Thema in der Architektur und bauen Villen auf die florentinische Hügellandschaft aus Stahlbeton und Glas, als Ausdruck der modernen technischen, Errungenschaften, und mit steinsichtigen Fassaden, gemäß der Tradition der Bauernhäuser in der Toskana.
Theodore Waddell hat sicher Kontakt mit diesen Architekten, als er seine Villa in Fiesole baut.
Die eingehende Planung jedes Details der Villa in Bezug auf die Morphologie der Landschaft lässt ein einzigartiges Bauwerk entstehen, das ein paar Schritte weiter geht, als es die florentiner Meister vermögen.
Aus unerklärlichen Gründen, die sich heute wahrscheinlich nicht mehr ermitteln lassen, verlässt Waddell nach ein paar Jahren Italien, seine wunderbare Villa auf den Hügeln um Fiesole und gibt seinen Traum auf, mit weiteren Werken ein Zeichen in der Kulturlandschaft der Architektur von Italien zu setzen.

Nach seinem Aufbruch wechselt die Villa mehrmals ihre Besitzer, bis sie vom Ingenieur Andrea Ugolini erworben wird, einem florentiner Projektleiter, der bei seiner Arbeit viel Liebe zum Detail zeigt, Aufmerksamkeit für Naturmaterial und für den Erhalt des Alten, das er mit den modernsten und ausgeklügeltsten Techniken kombiniert.
Er hat die Magie und den Wert dieses Bauwerks erkannt und nimmt eine rigorose Renovierung in Angriff, bei der er versucht, die Veränderungen auf das Wesentliche zu reduzieren und nur an der unsichtbaren Bausubstanz einzugreifen, damit alles Sichtbare in seinem Originalzustand bleiben kann.
Das bedeutet Arbeiten an den Leitungen, der Wärmedämmung (bereits sehr weit fortgeschritten für ein fast 50 Jahre altes Gebäude), die Ausarbeitung des Kleinen.

Das Endergebnis der Renovierung ist einzigartig wie das Gebäude selbst. Und lässt erneut die Frage aufkommen: Warum hat Waddell kurz nach der Fertigstellung der Villa Italien den Rücken gekehrt, wenn er so viel Arbeit, Energie und Geld in dieses traumhafte Projekt gesteckt hat?

villa waddell in fiesole by architect and designer thedore waddell florence hills architecture
Blick auf die Villa und den Pool aus Naturstein

Die Villa ist auf eine steile Böschung eines abschüssigen Hügels inmitten von Bäumen gebaut.
Diese natürliche Vorgabe bestimmt das architektonische Vorhaben.
Ein Bollwerk aus Stein, vielleicht von einem alten Bauwerk stammend, das am seitlichen Hang des Hügels eingebettet ist, stellen das Fundament der Villa dar.
Aber das Bauwerk bzw. sein Schöpfer wagen es, sich über die Grundplatte hinaus teils auf die Landschaft und teils über das Nichts des Abgrunds auszubreiten.

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Die Terrassen als Auskragung über dem Hang

Wenn man von Oben kommt, sieht man das Dach der Villa sozusagen in der Luft schweben. Das Dach ist dadurch primäre Fassade des Gebäudes.

Über eine kleine Treppe kommt man durch eine kleine Tür in die Villa. Ein nachfolgender Eingangsbereich gibt den Blick auf eine Reihe von Räumen frei, die alle zur ausgekragten Terrasse über dem Tal streben.
Die großzügigen Fenster gewähren der umliegenden Natur freien Eintritt. Dabei wird der Effekt durch die vielen Reflexionen der Fenster verstärkt. Die Bäume, die Hügel und der Himmel werden Teil des Bauwerks.
Durch Öffnungen in den Decken und doppelte Volumen wird die Entdeckung des Raums zu einem komplexen und intriganten Spiel.
Das Material ist unverhüllt: sichtiger Stahlbeton, Stein, Terrakotta-Fliesen, Bäume, Himmel.
Es wäre schwierig, zu dieser vollkommenen Harmonie etwas hinzufügen zu wollen.

villa waddel in fiesole by architect and designer Thedore waddell near Florence
Die Villa hängt mit seinen Terrassen über dem darunterliegenden Tal

Die Terrassen als Highlight der Villa. Am Ende öffnen sie sich über dem großen Nichts und geben eine atemberaubende Sicht frei.

Eine der wenigen Ambiente, in denen Andrea Ugolini sichtbar eingegriffen hat, sind die Bäder. Er hat dafür Pietra di Rapolano, einen typisch toskanischen Stein verwendet, der den Räumen, in denen er eingesetzt wird, Charakter verleiht.

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Bad des Hauses aus Pietra di Rapolano, Terra Chiara Pdr 013

Auch der Außenbereich wird vom Wechsel von gefüllten und leeren Bereichen, von der Transparenz (und der Reflexe) des Glases, der Schwere der steinsichtigen Mauern und Stahlbetonelemente bestimmt, die harmonisch mit der Natur kommunizieren.
Der Pool scheint ein Bergsee zu sein und sein Steinboden schaff tausende von Reflexen und Lichtspiele.
Die Beete sind nicht eingefasst, sollen die Pflanzen nicht aufhalten, sondern freie Entwicklung gewähren.
Die Natur ist wichtiger Bestandteil dieses Bauwerks. Die Natur selbst ist diese wundervolle, versteckte architektonische Werk, ein Juwel, das von einem großen Meister zwischen die Hügel von Fiesole eingebettet wurde: Theodore Waddell.

Architekturprojekt: Theodore Waddell
Projekt für Renovierung 2013: Dipl. Ing. Andrea Ugolini
Bauunternehmen: Faesulae srl
Steinmaterialien: Pietre di Rapolano
Fotos und Text: Architekt Lorenzo A. Polvani

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